Alles zum Thema "Liebigs Fleischextrakt"

Im Januar 1854 erkrankte die Tochter Emma des englischen Sodafabrikanten James Muspratt, der zu dieser Zeit Gast im Hause Liebig war, schwer an Typhus. Das Mädchen konnte keine Nahrung mehr aufnehmen, der Gesundheitszustand war äußerst kritisch. "Liebig kaufte vier Pfund mageres Rindfleisch, hackte es sehr fein, gab zwei Liter kaltes Wasser und etwas Salzsäure dazu und erhitzte das Ganze langsam auf 70°C. Nach einigen Stunden hatte sich das Fleisch weitgehend aufgelöst. Diesen Fleischtrank (Infusum) flößte er der schwerkranken Patientin löffelweise ein"(Lit1). Nach einigen Tagen hatte Emma die Krankheit überwunden.
Liebig veröffentlichte dieses Rezept in den "Annalen der Chemie" unter dem Titel "Eine neue Fleischbrühe für Kranke".
Acht Jahre später nimmt der Unternehmer Gilbert aus Hamburg diesen Artikel zum Anlass, Liebig eine Zusammenarbeit in Uruguay anzubieten. Dort wurden zur damaligen Zeit Rinder und Schafe nur wegen der Häute und Felle geschlachtet, für das Fleisch gab es keinen Bedarf. So entstand in Fay Bentos am Unterlauf des Uruguay die Liebig's Extrakt Company Ltd. Damit sich das verflüssigte Fleisch nach Europa transportieren ließ, musste man es pastenartig eindicken.
Lit1:Ernst F. Schwenk, Sternstunden der frühen Chemie, Beck'sche Reihe, 1998


Und hier das Rezept des Fleischextraktes:

Eingedickte, fett- und albuminfreie Fleischbrühe; Herstellungsverfahren nach dem Chemiker Justus von Liebig. Zerkleinertes, möglichst fettfreies Rindfleisch (ca. 30 kg für 1 kg Fleischextrakt) wird in heißem Wasser (70 Grad C) ausgelaugt, filtriert und im Vakuum eingedampft. Fleischextrakt ist ein appetitanregendes Produkt aus Fleischbasen und Mineralstoffen ohne eigentlichen Nährwert.
Das moderne Lexikon (Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh, Berlin, München, Wien, 1972)

           

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Sammelbilder

Die berühmten Sammelbilder der Firma Liebig sind in Deutschland zwischen 1872 und 1940 massenhaft verbreitet worden, insgesamt 1138 Serien mit in der Regel je sechs Bildern. Sie waren als Werbegeschenk dem "Liebig's Fleisch-Extract" beigegeben, einem Luxusprodukt, das vor dem ersten Weltkrieg nur für wohlhabende Kreise erschwinglich war. Die in aufwendiger Druckqualität hergestellten Bilder sind ein bislang kaum ausgewertetes Zeugnis für Denk- und Wahrnehmungsweisen des letzten und vorletzten Jahrhunderts - für Vorstellungen der europäischen und außereuropäischen Geschichte, der Arbeitswelt, der Kolonien, der Familien- und Geschlechterordnungen und vieler anderer Bereiche bürgerlicher Kultur.
Bernhard Jussen, Atlas des Historischen Bildwissens 1, Max-Planck-Instituts für Geschichte

Dieses Bild zeigt die Herstellung der Sammelbilder
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Und hier sind einige Sammelbilder zu sehen